Scannerkassen: Kundenfreundliche Überwachung – aber nur wenn die Schlangen ganz lang werden

KI-Bild: Leere bei den Scannerkassen

KI-Bild: Leere bei den Scannerkassen

Im REWE in der Bonner Altstadt, in der Heerstraße, habe ich heute etwas erlebt, das ich für ziemlich bezeichnend halte. Dort gibt es ungefähr zwei bediente Kassen und außerdem ungefähr fünf Scannerkassen, also genau jene Selbstbedienungslogik, die außen nach Tempo und Modernität aussieht, in der Praxis aber erstaunlich streng geregelt ist.

Ich stand zunächst ganz normal in der Schlange, die bei mir nicht besonders lang war. Ich zahle nämlich am liebsten direkt an der Kasse und will mich nicht durch die Menüs der Scannerkassen quälen. Das mag für meine Generation noch typisch sein, während jüngere Leute offenbar häufiger zu den Scannerkassen eilen. Vor einigen Wochen fiel mir schon auf, dass diese Scannerkassen nur unter Aufsicht benutzt werden dürfen: Ein Mitarbeiter kontrolliert den Bereich, und eine Art Barriere wird nur dann geöffnet, wenn sich an den bedienten Kassen längere Schlangen bilden.

Damals fragte ich einen Mitarbeiter, warum das so gehandhabt werde. Seine Antwort war schlicht: An den Scannerkassen werde zu viel „Schwund“ gemacht, also zu viel falsch oder ungenau gescannt. Es soll sogar Leute geben, die „vergessen“ die Spare-Rips einzuscannen, was dann Schwund von 7,99 bedeutet. Deshalb wolle man die Scannerkassen nur dann freigeben, wenn die normalen Kassen noch nicht ausgelastet sind. Schon das fand ich bemerkenswert: Eine Technik, die eigentlich Entlastung bringen soll, wird vorsorglich eingebremst. Als ehemaliger Betriebsrat fand ich die Idee gar nicht schlecht, so sichert man Arbeitsplätze … Weiterlesen

Wie ein Carsharing-Computer am Turing-Test scheitert

Wer sich beim Carsharing neu anmeldet, egal bei welchem Anbieter, der muss sich legitimieren und seinen Führerschein vorzeigen, das geht vor Ort oder online, also digital, aber einem renommierten Anbieter geht dies ganz besonders langsam und nervig.
Es gibt im digitalen Zeitalter viele Dinge, die man sich irgendwie schönreden kann. Dass alles schneller werde. Dass alles einfacher werde. Dass der Computer endlich das tue, was der Mensch seit Jahrzehnten verspricht und nur selten hält: Ordnung schaffen. Klarheit. Tempo. Verlässlichkeit. Und dann sitzt man vor einem Online-Verfahren zur Legitimation und merkt, dass die eigentliche Leistung der Technik nicht in Beschleunigung besteht, sondern in der Kunst der Verzögerung.

Man möchte ja gar nicht kleinlich sein. Wer ein Fahrzeug im Carsharing nutzen will, soll sich ausweisen. Natürlich. Wer einen Führerschein angibt, der darf ruhig zeigen, dass er einen hat. Das ist keine Schikane, sondern Vernunft. Niemand will, dass ein wildfremder Mensch unter falschem Namen durch die Republik fährt, nur weil irgendein Identitätsnachweis mal eben durchgewunken wurde. Eine gewisse Strenge ist also nicht nur legitim, sondern notwendig. Der Punkt ist nur: Strenge ist nicht dasselbe wie Verwirrung. Und Kontrolle ist nicht dasselbe wie ein mehrstufiges Missverständnis mit freundlicher Oberfläche.

Der Ablauf beginnt schon mit einer höflichen Ansprache, wie man sie von Menschen kennt, die sich Mühe geben, professionell zu wirken. Das ist erst einmal beruhigend. Man denkt: Gut, da sitzt also jemand, der den Vorgang führt. Nicht besonders glamourös, aber eben ein echter Mensch mit Geduld, Blick für Details und der Fähigkeit, im richtigen Moment nachzufragen. So ähnlich wie bei einer online erfolgten Postbank-Legitimation, nur eben digitaler, vielleicht etwas flüssiger, aber im Kern doch noch menschlich nachvollziehbar. Genau das erwartet man. Genau das bekommt man aber nicht. Weiterlesen

Turing-Test

Moderner Turing-Test

Moderner Turing-Test

Beim Turing-Test soll herausgefunden werden, ob ein Mensch noch zwischen einem Menschen und einem technischen System klar unterscheiden kann. In der modernen Form könnte der Turing-Test so aussehen, dass man gleichzeitig mit einem Chatbot wie ChatGPT und einem Menschen spricht oder schreibt, das jeweilige Gegenüber ist irgendwie entfernt, z.B. nicht unmittelbar sichtbar, sondern nur über ein Computer-Display. Wenn der Mensch als Prüfinstanz scheitert, also nicht sagen, wer der Chatbot oder der Mensch ist, dann hat das technische System den Turing-Test bestanden.

Natürlich ist es nicht so, dass wir in einer normalen Interaktion(Dialog mit Anführungszeichen) mit ChatGPT, nicht merken, dass wir es mit einem technischen System zu tun haben. Geradezu nervig, weist das technische System darauf hin, kein Mensch zu sein. Trotzdem bleiben wir oft länger in der Interaktion, weil wir das Gefühl haben, es lohne sich. Viele sagen sogar, dass sich mit einem modernen KI-Chatbot bessere Gespräche führen können, als mit ihren besten Freunden oder Bekannten. Wenn das so ist, dass hat das technische System den Turing-Test bestanden, ohne dass sich der Mensch als Verlierer fühlen müsste. Weiterlesen

Über dem Rhein sitzend, kann man auch über Langlebigkeit nachdenken und sprechen

MS-Wissenschaft in Bonn

MS-Wissenschaft in Bonn

Auf der MS Wissenschaft in Bonn ließ sich an diesem heißen Juliabend sehr gut beobachten, wie fruchtbar ein öffentliches Wissenschaftsgespräch sein kann, wenn es weder in Reklame für einen Trend noch in akademische Abschottung sich verirrt. Die Veranstaltung „Dialog an Deck: Gesund länger leben: Was steckt hinter dem Longevity-Trend?“ fand am Samstag den 11. Juli 2026 ab 18:30 an Bord des Ausstellungsschiffs  MS Wissenschaft statt und war als öffentlicher, kostenloser Diskussionsabend angekündigt.

Schon der Ort arbeitete für den Abend mit. Das Schiff am Bonner Stresemannufer, die Wärme des Tages, das Deck, die Nähe zum Wasser und die leichte Enge des Raums gaben der Diskussion etwas zugleich Konzentriertes und Sommerliches. Die MS Wissenschaft liegt in Bonn vom 10. bis 13. Juli 2026; die Abendveranstaltung gehörte zum begleitenden Programm der Tour.

Obwohl es ziemlich heiß und schwül war, passte der Rahmen sehr gut

Der Abend war Teil der Reihe „Dialog an Deck“ und wurde im Kontext des Wissenschaftsjahres sowie der DFG präsentiert. Das merkte man dem Format an: Hier sollte kein modischer Gesundheitsabend stattfinden, sondern ein wissenschaftlich fundiertes, öffentliches Gespräch über einen Begriff, der längst zwischen Forschung, Markt und Selbstoptimierung zirkuliert (Quelle: https://www.dfg.de/de/aktuelles/digitale-formate/wissenschaftsjahre/2026/dialog-an-deck).

Moderiert wurde die Veranstaltung von Tobi Strauss von WDR 5; auf dem Podium saßen Prof. Dr. Maria Cristina Polidori von der Universität zu Köln und Dr. Jonas Pöld von der Universität Münster. Besonders stark war, dass die Runde nicht nur medizinische, sondern auch begriffliche und philosophische Fragen zuließ. Gerade bei einem Thema wie Longevity, das sich so leicht in Werbeversprechen auflöst, war das ein großer Gewinn. (siehe auch Anmerkung 1)

Die starke Stimme des Abends …

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Mit dem E-Bike an die Nordseeküste: Warum Komfort rund 500 Euro kostet

Wer mit dem eigenen E-Bike eine Woche Urlaub an der Nordseeküste machen will, steht schnell vor einer einfachen, aber teuren Entscheidung: Bahn oder Auto. Auf den ersten Blick wirkt die Bahn vernünftig, vielleicht sogar elegant. Doch wenn man genauer rechnet und den eigenen Komfort mit einbezieht, landet man schnell bei einer anderen Lösung: Mietwagen, Anhängerkupplung, Fahrradträger, und die beiden eigenen E-Bike einfach mitnehmen. Am Ende kostet uns dieser Komfortvorteil ungefähr 500 Euro mehr als die naheliegende Bahnvariante.

Ausgangslage: mitten in Deutschland z.B. Köln oder Bonn, Ziel Nordseeküste für eine Woche für uns als Paar

Die Ausgangslage ist eigentlich klar. Für eine Woche Urlaub in Emden oder Greetsiel oder an einem ähnlichen Ziel an der Nordseeküste oder auf einer ostfriesischen Insel braucht man vor allem Mobilität, Verlässlichkeit und sein eigenes Rad. Vor Ort soll das Auto nicht mehr groß bewegt werden, sondern nur die Hin- und Rückfahrt leisten. Genau deshalb lohnt sich die Rechnung überhaupt: Nicht der Mietwagen als solcher steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, ob wir unseren eigenen E-Bike komfortabel und ohne Theater mitnehmen können.

Ein weltweit aktiver Anbieter macht es nicht nur teuer, sondern auch umständlich

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Schuldenbremse, Nordbrücke, Mehrheiten: Warum Zögern alles immer teurer macht

taz zur Schuldenbremse

taz zur Schuldenbremse

Ein Taz-Artikel vom 9. Juli 2026 über die gescheiterte Regierungskommission zur Reform der Schuldenbremse ist mehr als nur eine weitere Meldung aus dem Berliner Politikbetrieb. Zunächst hatte ich überhaupt nicht verstanden, warum es geht. Hatte nicht der Deutsche Bundestag noch in seiner alten Besetzung eine verfassungsändernde Reform der Schuldenbremse beschlossen und damit dem zukünftigen Bundeskanzler Merz bereits vor seiner Wahl die Chance gegeben, jetzt endlich die notwendigen Sanierungs-Aufgaben anzugehen? Anscheinend hat das nicht gereicht, die neuen Regierungsparteien haben eine Kommission gegründet, um die Schuldenbremse nachhaltig zu reformieren und jetzt meldet die taz, dass diese Kommission auf der Stelle tritt.

Das verweist auf ein Problem, das längst sichtbar ist: Deutschland braucht enorme Investitionen, aber die politischen und verfassungsrechtlichen Hürden für deren Finanzierung werden eher größer als kleiner, was anscheinend dem Finanzminister klarer ist, als seinem Chef oder den normalen Parlamentariern.

Genau deshalb ist die Frage wie wir die unsinnige schwarze Null loswerden, nicht erledigt, sondern bleibt akut. Wer heute zögert, verschärft morgen nicht nur den Investitionsstau, sondern auch das Mehrheitsproblem, denn so wie es jetzt aussieht, bekommen alle gegenwärtig die Regierung tragenden Parteien bei der nächsten Bundestagswahl herbe Abzüge von Stimmen.

Die Frage zum Umgang mit der Schuldenbremse ist immer noch nicht gelöst

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Mühe-Prinzip

… Warum es oft besser ist, sich Mühe zu geben, als sie zu vermeiden!

Ein Satz, den man immer wieder hört: „Ich will es später leichter haben.“
Das klingt vernünftig. Wer würde nicht versuchen, Mühe zu sparen, wenn es geht?

Es ist schon 10 Jahre oder länger her, als ein guter Bekannter aus dem weiteren Bonner Umfeld, damals Mitte 50, sich vor eine  Entscheidung gestellt hatte. Er überlege, in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen – Aufzug, keine Treppen, alles bequem erreichbar. Auf die Frage, ob ihm das Treppensteigen aktuell schwerfalle, sagte mein Freund Günther: „Noch nicht. Aber ich bin ja auch erst 55.“

Genau darin könne der Denkfehler liegen – Mühe muss vermieden werden?

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Keine Panik vor blauen Balken – bürgerliche Politik mit den Linken

ARD-Sonntagsfrage Juli 2026

ARD-Sonntagsfrage Juli 2026 – die restlichen 13 % liegen unter der 5%-Grenze

Man kann die aktuellen Umfragen in Deutschland zum Wahlverhalten lesen als das, was sie sind: ein politisches Stimmungsbild, kein Weltuntergang. Wer heute auf die hohen Werte der AfD starrt, sieht vor allem eines: die Dauerkrise der bisherigen politischen Mitte. Doch die eigentliche Pointe liegt nicht in der bloßen Stärke der Rechten, sondern in der Frage, welche Mehrheiten sich gegen sie überhaupt noch bilden lassen.

Die naheliegende Versuchung besteht darin, die Republik in ein schockiertes Lager und ein resigniertes Lager zu teilen. Das hilft nicht weiter. Denn die Zahlen zeigen zugleich etwas anderes: Es gibt in Deutschland weiterhin einen erheblichen Raum für eine bürgerliche, demokratische Gegenperspektive, die nicht nach rechts kippt und sich nicht in Symbolpolitik erschöpft. Diese Perspektive wird, ob man das nun mag oder nicht, nur mit der Linken denkbar. Weiterlesen

Wenn 40 Grad maximale Tagestemperatur normal werden

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Es gibt Fernsehmomente, die bleiben hängen, weil sie mehr zeigen als nur die üblichen Bilder. So ein Moment war die Wettergrafik in den Tagesthemen  vom 30.6.2026 mit Sven Plöger ab der 32. Minute. Auf den ersten Blick wirkt dieses Diagramm schlicht: rote Balken, Jahreszahlen, erreichte Maximaltemperaturwerte. Doch die Aussagen dahinter sind bemerkenswert. Sie machen sichtbar, dass 40 Grad in Deutschland nicht mehr nur als meteorologische Ausnahme vorkommen, sondern im Juni 2026 zur allgemeinen Regel geworden sind.

Genau darin liegt die eigentliche Nachricht. Die Grafik verweist nicht auf einen einzelnen heißen Tag und auch nicht auf kurzfristige Ausreißer. Sie zeigt eine exponentielle Entwicklung, die sich über die Zeit verdichtet hat und die sich noch weiter verstetigen wird. Wo solche Werte gar nicht gemessen werden konnten (1950er-Jahre bis zu den 1980er-Jahren) oder einzelne Ausreißer waren (bis Mitte Juni 2026), sind sie ab dem letzten Wochenende zum Normalfall geworden: Tageshöchsttemperaturen von 40 Grad oder mehr, überall in Deutschland, am Meer mit Windböen, in der Stadt am schattigen Brunnen, im Biergarten neben der Almweise, einfach überall.

Das ist deshalb so auffällig, weil die Schwelle von 40 Grad im deutschen Wetteralltag bisher kaum eine Rolle spielte. Vor allem vor den 1980er Jahren war sie kein Wert, der das öffentliche Bild vom Sommer geprägt hätte. Stattdessen waren Schlager populär, wo gefragt wurde: Wann wird es endlich wieder richtig Sommer? Es gab zwar einzelne heiße Tage. Aber diese standen nicht für ein Muster. Heute ist das anders. Die Grafik zeigt klar auf, dass die Häufung solcher Extremwerte in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat und das es jetzt – Ende Juni 2026 zum Normalzustand – geworden ist. Zwar gibt Sven Plöger keine Prognose ab, aber für mich ist klar. Diese zweistellige Zahl für 2026 könnte bereits in diesem Jahr 3 stellig werden, vielleicht im August; und in den Folgejahren wird dreistellig zum Normalfall und man wird sich nicht nur fragen, ob die Klimaanlage noch genügend Power hat, sondern auch, wann die Vierstelligkeit erreicht sein wird. Wann wird es endlich wieder den Sommer von Rudi Carrell geben, mit Nässe, Pullover und Lagerfreuer zur Mittagspause? Weiterlesen

KI, Autorschaft und Verantwortung: Warum ein aktueller FAZ-Text zu kurz springt

Screenshot Faz

Screenshot Faz

Moritz Rinkes Text bei der FAZ „Warum lassen wir zu, dass die KI uns verblödet?“ greift ein reales Unbehagen auf. Viele nutzen KI längst nicht mehr nur zur Recherche, sondern auch zum Formulieren, Strukturieren und Überarbeiten von Texten. Genau an diesem Punkt setzt Rinkes Warnung an: Wer zu viel an die Maschine delegiert, riskiere den Abbau eigener Denkfähigkeit. Das ist als Alarmruf verständlich. Aber die Argumentation bleibt in einem zentralen Punkt unterkomplex.

Denn das eigentliche Problem ist nicht, ob ein Text irgendwie „von KI geschrieben“ wurde. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Hat der Autor den Text geprüft, verstanden, sich zu eigen gemacht und dafür Verantwortung übernommen? Weiterlesen