Autoren-Relevanz einschätzen, ohne eine Zeile vom Autor zu lesen?
… wie man Autoren-Relevanz einschätzt, ohne eine Publikation vom Autor zu lesen – und warum Detailtiefe in der Recherche den Relativismus der Philosophie widerlegen kann.
Ein bekanntes Bonner Print-Medium berichtete kürzlich über einen jungen Autor, der an der Universität hier studiert und gleichzeitig mehrere Bücher auf dem Buchmarkt platzieren konnte. Die Frage drängt sich mir auf: Wie kann man erfolgreich studieren und gleichzeitig umfangreiche Titel veröffentlichen? Und vor allem: Hat der betreffende Autor überhaupt Relevanz, die eine Lektüre lohnen würde? Um diese Frage zu beantworten, muss man nicht unbedingt seine Bücher sofort lesen. Eine detailreiche Vorrecherche am PC und mit Hilfe des Internets genügt – und sie liefert objektive Schlussfolgerungen, die zugleich die lustige Konsequenz haben, den philosophischen Relativismus zu destabilisieren. Weiterlesen
Wenn Bilder fehlen: Wie generative KI den Nachrichtenjournalismus verändert
Es ist ein vertrautes Problem im tagesaktuellen Journalismus: Eine wichtige Meldung kommt rein, vielleicht sogar mit lokal hoher Relevanz – aber passendes Bildmaterial fehlt. Fotografen sind nicht vor Ort, Agenturen liefern verzögert, und das eigene Archiv gibt nichts her.
Ein Beispiel: „Die marode Bonner Rheinbrücke wird bis auf Weiteres vollständig für den Verkehr gesperrt.“ Eine relevante Nachricht, die unmittelbare Auswirkungen hat – aber ohne Bild bleibt sie abstrakt. Z.B. bei dem sehr guten Artikel vom Focus: https://www.focus.de/panorama/welt/ab-15-uhr-bonner-nordbruecke-wird-bis-auf-weiteres-voll-gesperrt_3d3f8e57-bbb3-4629-857c-d82817522a59.html sieht man zwar viele Bilder, aber nichts aktuelles und nichts spezifisches.
Genau an dieser Stelle kommt generative KI (Bildgenierung) ins Spiel. Weiterlesen
KI richtig nutzen: Stephan Wiesners Prompt-Formel verstehen und einordnen
KI-Bildgenerierung funktioniert genauso schlecht wie KI-Textgenerierung, wenn man dem KI-Werkzeug zu ungenaue Vorgaben mache. Das ist scheinbar eine triviale Erkenntnis, aber wie macht man nun die genauen Vorgaben so, dass man ein einigermaßen berechenbares Ergebnis bekommt? Stephan Wiesner erklärt in einem kurzen Video, worauf man zu achten hat. Selten habe ich in so kurzer Zeit, so prägnant beschrieben bekommen, worauf es bei einem guten Prompt ankommt. Deshalb lohnt sich das Video und diese einordnende Zusammenfassung, wenn man in Zukunft mehr gute Ergebnisse bekommen möchte.
Stephan Wiesner verspricht in seinem Video nicht weniger als einen Kompetenzsprung: Wer seine Methode versteht, soll „besser als 90 % der User“ mit KI arbeiten können. Das sind eine steile These – Weiterlesen
Socialbar Bonn 1.6.2026: Veranstaltung zur Datenschutzszene Bonn
Die Socialbar Bonn führt ungefähr alle 2 Monate eine interessante und kostenlose Abendveranstaltung durch, am 1.6.2026 sollte es um die „Datensschutzszene in Bonn“ gehen. Wer nach der Veranstaltung bei Google recherchiert, bekommt eine durchaus zutreffende Antwort von der Google-KI Gemini.
Am Montag, 1. Juni 2026, fand die 81. Socialbar Bonn zum Thema „Datenschutzszene in Bonn“ statt. Das etablierte Netzwerktreffen bot praxisnahe Vorträge sowie Raum zum Austausch für die lokale Szene.
Details zur Veranstaltung
- Ort: Engagement Global, Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn
- Uhrzeit: 18:30 Uhr bis ca. 21:00 Uhr (Einlass ab 18:00 Uhr)
- Kosten: Eintritt frei
Key-Vorträge & Themen
- Datenschutzkonforme Altersprüfungen im Netz – Aline Sylla (Bundesbeauftragte für den Datenschutz).
- Datenschutz in der Kirche – Felix Neumann
- Datenschutz ist Menschenrecht – Einblicke in die Arbeit der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD) durch Reinhard Linz und Achim Klabunde.
Die Socialbar Bonn vernetzt regelmäßig Akteure aus Zivilgesellschaft, Forschung und Praxis. Weitere Informationen und zukünftige Termine finden Sie direkt auf der offiziellen Seite der Socialbar Bonn. Zitatende Google
Ich weiß, dass Gemini recht hat, weil ich selbst vor Ort war. Weiterlesen
Bob Blumes „Schule im AI-Slop“ – visionärer Anspruch oder didaktischer Schweinsgalopp?
Am Abend des 19. Mai 2026 um 18:45 Uhr verwandelte sich die Stage 3 der re:publica in ein pädagogisches Laboratorium. Unter dem provokanten Titel „Schule im AI-Slop“ trat Bob Blume – Autor, „Blogger des Jahres“ und mittlerweile Promovierender an der JKU Linz – an, um die digitale Transformation des Bildungswesens zu sezieren. Der Begriff „Slop“ (Slop steht für „KI-generierter Müll“) diente hier als scharfe Metapher für eine Schule, die im Begriff ist, in der Belanglosigkeit automatisierter Inhalte zu versinken. Blume versuchte, die Rolle des kritischen Aufklärers einzunehmen, wobei allerdings der Rahmen ein strukturelles Paradoxon offenbarte: Während er leidenschaftlich für „digitale Souveränität“ und tiefgründige Reflexion plädierte, erforderte das 30-minütige Kurz-Vortragsformat für seine Argumentation eine Geschwindigkeit, die den eigenen Anspruch an Tiefenschärfe fast zwangsläufig unterlaufen musste. Diese Diskrepanz zwischen dem Plädoyer für Entschleunigung und dem tatsächlichen „Schweinsgalopp“ der Performance ist ein Ausgangspunkt meiner kritischen Überlegungen zu einem Vortrag, der mir durchaus gut gefallen haben könnte.
Anmerkung zum Video: Die 3. – 5. Minute kann man überspringen, hier wartet man nur auf das Ende des Experiments.
Blume plante trotz erkennbarer Zeitnot ein gewagten Manöver: Er sprach nicht nur über Unterricht, sondern versuchte, die gesamte Session als performative Unterrichtsstunde zu maskieren.
Das performative Experiment: Didaktik im Schnelldurchlauf
Diese methodisch-didaktische Inszenierung war kein Zufall, sondern ein strategischer Versuch, die eigene Glaubwürdigkeit als Praktiker vor einem fachlich kompetenten und freundlich gesonnenen Publikum zu einem Experiment zu nutzen. Weiterlesen
Bild KI: Person, Situation und Kleidung frei kombinieren
Ein Schritt-für-Schritt-Guide für kostenlose KI-Foto-Generierung
Du hast drei Fotos: eine Person, eine Situation und ein Outfit. Jetzt möchtest du die Person aus Bild 1 in der Situation aus Bild 2 mit der Kleidung aus Bild 3 sehen. Klingt kompliziert? Mit Google Flow https://labs.google/fx/de/tools/flow und Nano Banana 2 ist das schnell erledigt – und das komplett kostenlos.
Was du brauchst
| Voraussetzung | Details |
| Google-Konto | Kostenlos, keine Zahlungsinformationen nötig |
| 3 Referenzfotos | Format egal (quadratisch, hochkant, liegend) |
| Browser | Chrome, Firefox, Safari – nichts Spezielles |
| Zeit | Ca. 5–10 Minuten für erste Ergebnisse |
Google Flow ist aktuell weitgehend unbegrenzt nutzbar. Kostenlose Nutzer erhalten tägliche Credits – das reicht für dutzende Bilder generierungen. Weiterlesen
Wenn KI Bewusstsein simuliert – Über parasoziale Beziehungen und Abhängigkeit als Geschäftsmodell

Auf der re:publica 26 legte Katja Muñoz eine unbequeme Wahrheit offen: Die zunehmende Vermenschlichung von Künstlicher Intelligenz ist kein technologisches Nebenprodukt, sondern eine gezielte ökonomische Strategie. Wir beobachten einen bewussten Shift weg von der rein „nützlichen KI“, die Probleme löst, hin zur „Seemingly Conscious AI“ – einer KI, die Bewusstsein lediglich simuliert, um menschliche Reflexe auszubeuten. Dieses strategische Täuschungsmanöver dient einem klaren Ziel: die Erzeugung einer parasozialen Dynamik, die den Nutzer emotional bindet. Das Kernproblem ist ethischer Natur: Es handelt sich um ein kalkuliertes Geschäftsmodell der Empathie, das die menschliche Tendenz zur Mustererkennung – die Pareidolie – systematisch monetarisiert, um Abhängigkeiten zu schaffen.
Der psychologische Anker: Warum wir Maschinen vermenschlichen
Die Effektivität dieser Täuschung wurzelt in unserer evolutionären Hardware. Katja Muñoz erläutert dies anhand des Konzepts der Pareidolie.
- Der evolutionäre Mechanismus (04:10): Bekannt als das „Jesus on a Toast“-Phänomen oder das Erkennen von Tierbildern in Wolken, ist dies ein Überlebensmechanismus. Unser Gehirn ist darauf optimiert, „False Negatives“ zu vermeiden; es ist lebenswichtiger, ein Raubtier im Gebüsch zu vermuten, das nicht da ist, als ein echtes zu übersehen.
- Empathie vor Intelligenz (06:30): Die Forschung zeigt eine fatale Fehlwahrnehmung: Der stärkste Prädiktor für zugeschriebenes Bewusstsein ist nicht die intellektuelle Brillanz eines Systems, sondern seine emotionale Ausdrucksfähigkeit. Ein empathisch reagierender Bot, der nach dem Befinden fragt, wirkt auf uns „lebendiger“ als ein hochperformantes, aber klinisch-neutrales Werkzeug.
Ahnenforschung – Thema bei der Friedrich-Spee-Akademie in Bonn
Die Friedrich‑Spee‑Akademie‑Veranstaltung zur Ahnenforschung am 28.5.2026 in Bonn vermittelte kompakt, wie man systematisch Familiengeschichte recherchiert, zeigte aber auch deutlich die Aufwendigkeit und die Grenzen der Quellenarbeit auf. Referent Werner Zien präsentierte strukturiert Grundbegriffe, Quellenwege und Dokumentationsmöglichkeiten, ohne in technische Details abzudriften.
Einstieg
Aktuell eröffnen freigegebene NS‑Parteikarten und digitalisierte Mitgliederkartei‑Bestände neue Recherchemöglichkeiten für Nachfahren (z.B. hier bei der ZEIT oder hier beim SPIEGEL), erlauben aber nur begrenzte Schlussfolgerungen und verlangen kritische Einordnung. Zien wies auf diese neuen Zugänge und auf weiterführende Recherchestrategien hin.

Screenshot von SPIEGEL online – bearbeitet mit Fotosoftware
Wichtige ergänzende Informationen zur NSDAP-Datenbank finden sich hier: https://uebermedien.de/117649/ist-das-nsdap-recherchetool-des-spiegel-wirklich-verlaesslich/
Inhalt und Aufbau
Überzeugend war die klare Gliederung des Vortrags. Zien führte von den Grundbegriffen über die Bedeutung von Namen bis hin zu den wichtigsten Quellen der Recherche und der Dokumentation der Ergebnisse. Dadurch entstand ein nachvollziehbarer roter Faden, der auch für Einsteiger verständlich blieb.
Werner Zien machte deutlich, dass Ahnenforschung weit mehr ist als bloßes Sammeln von Daten. Sie verbindet persönliche Erinnerungen aus dem Umfeld mit amtlichen und öffentlichen Quellen, Kirchenbüchern, Archiven und digital verfügbaren Datenbanken. Hier wurde deutlich, wie sorgfältige Vorgehensweisen möglich sind, um sich Familiengeschichte zu erschließen. Auch durch die Rückfragen der Besucher wurde klar, dass natürlich ein erheblicher Zeitaufwand notwendig ist, wenn man zu Ergebnissen kommen will, die weit in der Vergangenheit zurückführen.
Praxisnähe
Überzeugend gut nachvollziehbar war der praktische Bezug. Anhand konkreter Beispiele – etwa aus Standesämtern, Kirchenbüchern, Testamenten, Archiven und sogar DNA-Analysen – wurde sichtbar, wie unterschiedlich die Wege zur eigenen Herkunft sein können.
Auch die Hinweise auf Reichweiten und Grenzen der Quellen waren interessant. Die Präsentation zeigte, dass Forschung oft an Lücken, Kriegsverlusten oder eingeschränkten Zugängen scheitert, aber gerade darin auch der Reiz liegt, verschiedene Spuren miteinander zu verbinden. Wer selbst in seine Ahnenforschung einsteigen will, der kommt irgendwann zu einem toten Punkt, wo es dann schwierig wird, weiter in die Vergangenheit zu kommen. Hier helfen dann Querverbindungen weiter, etwa über eine Namensrecherche zu Namen von Verwandten, die anders sind als der eigene Name.
Zien machte klar, dass Kriege, Migration und Aktenverluste die Recherche oft stoppen — guter Rat, nicht zu romantisieren, sondern aktenbasiert vorzugehen.
Fun-Facts
Bei älteren Registrierungen gibt es teils seltsame Bezeichnungen und Nummernsysteme (z. B. die Kekule-Nummern mit denen jeder Vorfahr eine passende Distanznummer zur eigenen Person bekommt) — oder Details wie das „6er-Fahrrand“ auf einem alten Foto, das für Archivierende offenbar praktische, aber für Außenstehende schwer nachvollziehbare Ereignisse offenbarten.
Persönliches Fazit
Insgesamt war es eine gut vorbereitete und strukturierte Veranstaltung, die Wissen vermittelte und zugleich Neugier weckte. Die Mischung aus historischer Einordnung, praktischen Quellenhinweisen und konkreten Beispielen machte Ziens Erfahrungen für das Publikum attraktiv. Wer mit Ahnenforschung beginnen will oder bereits erste Schritte gemacht hat, konnte an diesem Abend sicher vieles mitnehmen.
Die politische Ökonomie der digitalen Republik: Politik, Souveränität und ziviler Widerstand auf der re:publica 2026

re:publica 2026
Die re:publica 2026 LINK, die unter dem Motto „Never Gonna Give You Up“ in Berlin im Mai stattfand, bot eine zentrale Plattform, um die Schnittstellen von Netzpolitik, administrativer Modernisierung und der Widerstandsfähigkeit der Zivilgesellschaft zu analysieren. Die Debatten offenbarten ein komplexes Spannungsfeld zwischen staatlicher Steuerung, wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Technologie-Monopolen und basisdemokratischem Aktivismus.
Im Folgenden werden im Internet frei verfügbare Quellen anhand der drei Kernbereiche der politischen Ökonomie der digitalen Republik zusammengefasst: Weiterlesen





