Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, ob Uwe Barschel, anders als die Genfer Polizei und die deutsche Lübecker Staatsanwaltschaft bisher angenommen haben, durch fremde Gewalteinwirkung (Mord) am 10./11.10.1987 um Leben gekommen ist. Ob Uwe Barschel ermordet wurde, Selbstmord beging oder ob man von einem Selbstmord mit Beihilfe ausgehen kann, ist bisher nicht endgültig geklärt und wird möglicherweise auch nie geklärt werden können. Darüber soll hier aber gar nicht spekuliert werden. Hier geht es „nur“ darum, ob die Berichterstattung der Welt am Sonntag [1] und deren weitgehend identisch übernommene Sichtweise in vielen anderen Medien (auch dpa) nachvollziehbar ist oder ob nicht letztlich Zirkelschlüsse aufgebaut werden, die keinen Erklärungswert für den Todesfall Uwe Barschel erbringen können.

Der Begriff „Zirkelschluss“ wirkt sehr akademisch, ist aber für journalistische Recherche und Berichterstattung wichtig. Ein Grundsatz der Recherche für Journalisten ist es, dass man bei spektakulären Behauptungen zumindest zwei unabhängige Quellen benötigt. Beruht hingegen eine Quelle auf der anderen, dann liegt nur noch eine Quelle vor und die spektakuläre Behauptung ist schlechter belegt. Berufen sich gar die scheinbar unabhängigen Quellen wechselseitig aufeinander, dann entsteht ein Zirkelschluss, der überhaupt keine Erklärungskraft hat. Beide Quellen werden unglaubwürdig, wenn die Zirkelschlüsse erkannt werden.

Diese abstrakten Überlegungen sollen nun konkret auf den Fall der Berichterstattung der Welt am Sonntag angewandt werden.

Welt am Sonntag: Ausgabe vom 21.1.2010 –Seite 1 und Seiten 17 – 20 [1]

Die Welt am Sonntag beruft sich auf ein neues Gutachten des Toxikologen Hans Brandenberger [2], dass sie in gleicher Ausgabe exklusiv abdruckt. Brandenberger hat sich bereits seit 1987 – also dem Todesjahr von Uwe Barschel – mit dem Todesfall beschäftigt und schon recht frühzeitig die These entwickelt, dass Uwe Barschel sich nicht selbst getötet haben kann. Auf Basis des aktuellen Brandenberger Gutachtens [2] und durch Bezug auf das Buch von Victor Ostrovsky [3] kommt die Welt am Sonntag zu folgenden Schlussfolgerungen:

Mit Brandenbergers Aufsatz liegt nun erstmals eine wissenschaftlich fundierte Bestätigung des umstrittenen Ostrovsky-Berichtes vor. Es gebe auffällige Parallelen zwischen Mossad-Buch und chemischer Untersuchung, so Brandenberger. Ostrovsky beschreibe ein „Szenario, das mit den Analysendaten erstaunlich gut übereinstimmt“. Anders gesagt: Brandenbergers Forschungen belasten den Mossad. Der Wissenschaftler betont dabei, dass er seine Schlüsse (Profi-Mord, Magenschlauch, zeitlich versetzte Verabreichung der Medikamente, zum Schlusseine rektale Zufuhr) bereits gezogen habe, bevor er das Ostrovsky-Buch kannte. Wenn das zutrifft, hätten zwei Quellen unabhängig voneinander Bilder des Tatgeschehens gezeichnet, die sich bis in kleinste Einzelheiten ähneln.

Zitatende (ungekürzter letzter Absatz der Welt am Sonntag Seite 18 – Hervorhebung von mir)

Man kann den Konjunktiv der letzten Aussage als Frage formulieren:

  • Ist Brandenburgers Sicht unabhängig von Ostrovsky entstanden?

Interessant ist aber auch die Frage:

  • Ist Ostrovskys Sicht unabhängig von Brandenburger entstanden?

Um auf dieses Frage einzugehen, muss man sich ins Todesjahr von Barschel (1987) zurückversetzen.

Hans Brandenberger 1987

Brandenberger ist einer von mehreren Toxikologen, die schon recht früh in den Todesfall Uwe Barschel eingeschaltet wurden. Anders als seine Kollegen hat er aber stets die These vertreten, dass das entscheidende tödliche Mittel erst zu einem Zeitpunkt verabreicht wurde, als Barschel (wahrscheinlich, hoch wahrscheinlich) nicht mehr handlungsfähig war.

Diese sogenannte „3+1-Theorie“ (das tödliche Mittel wurde später als die 3 Mitteln verabreicht, die Barschel zunächst nur handlungsunfähig machten) wurde bekannt gemacht durch eine ZDF-Berichterstattung am 22.12.1987, über die das Hamburger Magazin Spiegel im ersten Heft des Folgejahres berichtete. Dieser Spiegel-Artikel ist im Internet als Text und als Faksimile abrufbar [4].

Die Zahlen sagen: Als das starke Schlafmittel Cyclobarbital in Barschels Blut den tödlichen Wert von mehr als 40 Milligramm pro Liter erreichte, waren die drei anderen, wesentlich harmloseren Arzneimittelwirkstoffe Pyrithyldion, Diphenhydramin und Perazin schon weitgehend aus dem Blut in den Urin übergegangen. Daraus folge, erklärte der emeritierte Zürcher Toxikologe Professor Hans Brandenberger vor den ZDF-Kameras, daß die drei leichteren Chemikalien „wahrscheinlich früher eingenommen worden“ seien als das tödliche Gift.

Zitatende

Hans Brandenberger 1994

Brandenburger war im Laufe der folgenden Jahre immer wieder mit dem Todesfall Barschel beschäftigt und konnte seine Sicht der Dinge in weiteren Gutachten präzisieren, die er für die Genfer Ermittlungsbehörden und die Lübecker Staatsanwaltschaft anfertigte.

Im Zusammenhang mit der Publikation von Wolfram Baentsch [7] werden zwei der Gutachten[5] [6] im Internet zum Download über den Herbig-Verlag bereitgestellt. Diese Recherchemöglichkeiten stehen aber wohl erst deutlich nach dem Schreiben der Gutachten zur Verfügung. Aber über Medienberichte sind die wesentlichen Inhalte der Gutachten zeitnah in der Öffentlichkeit bekannt geworden.

ZITATE aus dem ersten Gutachten (Mai 1994 – [5]):

Aufgrund der im Bericht des Genfer Institutes auf Seite 10 angegebenen Wirkstoff-Konzentrationen hat der Verfasser des vorliegenden Gutachtens am 22.Dez.1987 öffentlich ausgesagt, das todbringende Cyclobarbital sei mit grosser Wahrscheinlichkeit nach den anderen Medikamenten zur Anwendung gelangt. In Anbetracht der teils hohen Konzentrationen von Pyrithyldion, Perazin und Diphenhydramin sei es aber wenig wahrscheinlich, dass sich Uwe Barschel das Cyclobarbital bewusst selber zugeführt habe.

Nach meinen früheren Aussagen spricht bereits die Verteilung der pharmazeutischen Wirkstoffe in den Körperflüssigkelten für eine gestaffelte Zufuhr. Das springt sofort ins Auge, wenn wir die im Genfer Gutachten enthaltene Tabelle etwas logischer umstellen…

Ich stehe mit meiner Ansicht, dass die obigen Daten es nahelegen, dass Cyclobarbital (ist erst in der Anflutungsphase] später zur Anwendung gekommen ist als die 3 anderen Medikamente (sind in der Ausscheidungsphase] nicht alleine. Viele mit Vergiftungfällen bestens vertraute Toxikologen mit langjähriger Erfahrung haben mir zugestimmt …

In Anbetracht dieser Umstände scheint es uns wenig wahrscheinlich, dass Herr D. Barschel bei der Zufuhr des tödlich wirkenden Cyclobarbitals handlungsfähig gewesen ist.

Die in Genf und Hamburg im Blute von Uwe Barschel erfassten Konzentrationen von Pyrithyldion, Lormetazepam, Diphenhydramin und Perazin wurden verglichen mit den in der einschlägigen Literatur und, für Pyrithyldion, auch aus unserem eigenen Arbeitsgut erhältlichen Werten. Alle 4 Blutkonzentrationen liegen entweder im oberen therapeutischen Bereich oder darüber, der Gehalt an Pyrithyldion bereits im unteren toxi-Bereich. Da die 4 Medikamente synergistisch wirken (Schlafmittel oder Präparate mit stark hypnotischen Komponenten], müssen ihre Wirkungen mindestens addiert werden. Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass Uwe Barschel bei der Zufuhr von Cyclobarbital noch handlungsfähig gewesen ist.

Zitatende (die … sind Kürzung von mir).

Victor Ostrovsky 1994

Der Autor mit spektakulären Enthüllungen über die Arbeit des israelischen Geheimdienstes [3] war nach Aussagen der Wikipedia (Ende Nov 2010] in den 1980er Jahren für den Mossad tätig, schied aber nach einer missglückten Aktion aus und lebt seit Ender der 1980er Jahre in Kanada.

Das Buch [3], das auch einen Bericht über die Ermordung von Uwe Barschel enthält, wurde sowohl in Englisch wie in Deutsch im Jahre 1994 publiziert. Amazon.com benennt als Erscheinungstermin der englischen Hardcover-Ausgabe:“HarperCollins Publishers,NY,1994, First Edition, First Printing (January 1, 1994]“. Der entsprechende Termin der deutschen Ausgabe (vgl. Amazon.de] liegt später aber im Jahr 1994.
ZITAT zum  Buch aus einer zusammenfassenden Beschreibung von der Website der „Welt„:

Sie waren zu fünft. Als sie die Tür zum Zimmer 317 des Genfer Hotels „Beau-Rivage“ öffneten, lag Barschel auf dem Fußboden. Ohnmächtig vom Schlafmittel, das man ihm in den Wein gemischt hatte. Professionell beendeten die Attentäter das Leben des 43 Jahre alten Politikers: Sie legten ihn verkehrt herum aufs Bett, den Kopf ans Fußende, steckten ihm einen geölten Gummischlauch in den Mund und trichterten ihm verschiedene Medikamente ein, in tödlicher Dosis.

Dann zogen sie ihm die Hose aus, zwei von ihnen hielten seine Beine in die Höhe, ein dritter führte ihm Zäpfchen mit starkem Schlafmittel ein. Es würde die giftige Wirkung der anderen Substanzen verstärken. Als sie ihm die Hose wieder angezogen und eine Weile gewartet hatten, schleppten sie ihr bewusstloses Opfer zur Badewanne, die mit Eiswasser gefüllt war, und legten ihn hinein. Wenige Minuten und einige heftige Krämpfe später war Uwe Barschel tot. Die fünf Attentäter flüchteten nicht, bevor sie das Zimmer aufgeräumt und ihre Spuren verwischt hatten. Das versteht sich von selbst für Profis vom israelischen Geheimdienst Mossad.

Zitatende

Wie hier zusammengefasst hat der frühere Mossad-Agent Victor Ostrovsky die Nacht vom 10. zum 11. Oktober 1987 den Mord an Barschel geschildert. Man sollte allerdings beachten, dass diese Beschreibung Ostrovskys in seinem Buch als Bericht dargestellt ist, der auf einer Erzählung eines anderen Agenten beruht. Relevant ist weiterhin, dass der Bericht viele Detailinformationen enthält, die von unterschiedlichen Seiten[8][9][11] als nicht mit gesicherten Fakten in Übereinstimmung gesehen werden.

Hans Brandenberger 1994, 1996, 1997

Hans Brandenberger hat seine Sicht der Dinge auch 1994 und nach 1994 immer wieder erneut bestätigt. So in einem ergänzenden Gutachten gegenüber den Genfer Ermittlungsbehörden [5], gegenüber der Lübecker Staatsanwaltschaft [6], das die Arbeit seiner mit ebenfalls durch Toxikologie bekannten Kollegen kritisch bewertet. Brandenberger hat immer die Position vertreten, dass das entscheidende tödliche Mittel zu einem Zeitpunkt verabreicht wurde, als Barschel nicht mehr handlungsfähig war. Diese Aussage wurde bereits 1996 noch konkreter ausgeformt, als Brandenberger erstmals von einer „rektalen Verabreichung“ des letzten tödlichen Mittels schrieb.

Der Autor Wolfram Baentsch gibt Hinweise, dass Brandenberger die Hypothese einer „rektalen Verabreichung“ des entscheidenden tödlichen Gifts bereits am 27.7.96 per Brief an die Lübecker Staatsanwaltschaft übermittelt habe. [7] – darauf wird weiter unten eingegangen].

Auch im neuen Gutachten von Brandenberger [2] wird von ihm erläutert, dass er bereits 1996 auf die Möglichkeit einer rektalen Verabreichung des tödlichen Mittels die Lübecker Staatsanwaltschaft aufmerksam gemacht habe.

ZITAT Brandenberger[2]

Nach dem Studium weiterer mir über Herrn Sela zugesandter Analysendokumente aus München erläuterte ich ihm am 27. Juli 96 nochmals (ich hatte das bereits bei meiner Vorladung nach Lübeck am 14. Mai getan] meine Befunde, hauptsächlich die Kritik an den Münchner Aussagen und Daten über Noludar. In einem PS zu diesem Schreiben führte ich an: „Das Methyprylon [Wirkstoff von Noludar] hat beim Geschehen sicherlich eine Rolle gespielt. Ist es Stunden(oder länger] vor dem Tod oral in den Körper gelangt, müssten seine Metaboliten nachweisbar sein. Sind sie nicht erfassbar, so sollte auch die Möglichkeit einer rektalen Verabreichung kurz vor dem Tode in Betracht gezogen werden“.

Zitatende [2]
(Sela ist Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Lübeck. Mit den Münchenern sind Toxikologen gemeint, die eine andere Position als Brandenberger vertreten. )

Möglicherweise könnte es für die Frage von Zirkelschlüssen auch wichtig sein, dass dieses von Brandenberger und Baentsch erwähnte Schreiben mindestens 7 Monate nach der deutschen Erstveröffentlichung des Ostrovsky-Buches geschrieben wurde.

In seinem Gutachten für die Welt am Sonntag stellt dann Brandenberger seine Einschätzungen und den Bericht von Victor Ostrovsky in einen Zusammenhang:

Hinweise auf Täterschaft

Ich kannte weder die politischen Verhältnisse noch die Vorgeschichte und habe die deutschen Zeitungen mit ihren Aussagen auch nach meiner Involvierung in die Untersuchung kaum gelesen. Ich wollte so gut wie möglich unbeeinflusst bleiben. Nach Sistierung der Angelegenheit und als Pensionär mit etwas mehr Zeit habe ich jedoch die Bücher zum Fall durchgesehen und bin auch auf den Bericht von Victor Ostrovsky gestoßen:„The other side of the Deception“ (Harper Collins, 1994], auf den mich ein Genfer Journalist bereits früher einmal aufmerksam machen wollte. Dort wird detailliert ein Mordszenario an Uwe Barschel durch eine Gruppe von Mossad-Leuten beschrieben. Im Unterschied zu anderen Bekenner-Erklärungen oder Vermutungen sind Ostrovskys Angaben über die Verabreichung der Wirkstoffe recht gut vereinbar mit den analytisch-chemischen Daten:  Zuerst die Betäubung durch den Wein-Zusatz, dann – nach einer guten Stunde– die Zufuhr einer tödlichen Schlafmitteldosis über einen Magenschlauch, gefolgt durch rektale Eingabe eines Suppositoriums mit einem starkem Sedativ. Allerdings bestehen auch Differenzen: Ostrovsky schreibt, dass durch den Magenschlauch Pillen eingespült worden seien. Doch das Genfer Gutachten erwähnt keine Pillenrückstände im Magen, sagt aber auch nicht, dass keine vorhanden waren. Das aufgrund der Analysendaten rektal verabreichte Noludar war in Suppositorienform nicht im Handel; durch Tränken eines porösen Materials(Watte] in K.-o.-Tropfen ist es aber leicht herstellbar. Trotz dieser Differenzen beschreibt Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysendaten erstaunlich gut übereinstimmt. Die chemischen Befunde indizieren einen Mord, wobei:

1.mit Sicherheit feststeht, dass das todbringende Cyclobarbital nach stark sedierenden Wirkstoffen in den Körpergelangt ist, sehr wahrscheinlich im Zustand der Handlungsunfähigkeit;

2. das starke Hypnotikum Noludar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kurz vor Todeseintritt rektal verabreicht wurde, was mit der Hypothese eines Selbstmordes mit fremder Hilfe(„humanes Sterben“] unvereinbar ist;

3. aufgrund der Komplexität des Mordgeschehens davon ausgegangen werden muss, dass ein Profiteam am Werk war, nicht eine Einzelperson.

Zitatende

Interessant könnte sein, dass Brandenberger keine Aussage darüber macht, wann genau er von dem Ostrovsky Buch Kenntnis erhalten hatte. Da er gegenwärtig 89 Jahre alt ist (Kasten mit Foto in [2]), war er zum Zeitpunkt des Briefes mit der Hypothese „rektalen Verabreichung“ (1996) bereits 76 Jahre alt, also schon länger in Pension.

Wolfram Baentsch 2006 und 2008

Wolfgang Baentsch ist Journalist und hat sich ebenfalls schon seit langer Zeit mit der Todesfall Uwe Barschel beschäftigt. Seine Recherchen und Einschätzungen hat er in einem Buch publiziert, das in Erstauflage 2006 und in Neuauflage 2008 erschienen ist [7].

Die Argumentation von Baentsch ist verblüffend ähnlich zur Argumentation der Welt am Sonntag [1], was umso bemerkenswerter ist, dass diese keinen Bezug auf Wolfgang Baentsch nimmt und auch seine Publikation nicht erwähnt. (Nach Ansicht von Baentsch hat die Welt am Sonntag von ihm „seitenweise abgeschrieben“, wie er in einem Blogkommentar unten als Reaktion auf eine frühere Variante dieses Blogbeitrags geschrieben hat.)

Die Ähnlichkeit von Baentsch und [1] (siehe auch das Zitat ganz oben] findet sich besonders prägnant auf Seite 283f. der Buchausgabe von 2008 [7].

Wer hat die Lübecker Staatsanwälte gestoppt, diesen Hinweisen nachzugehen? Noch im Mai 1996 schrieben sie in einem Zwischenbericht, »daß die Absicht bestünde, im Rahmen einer abschließenden Bearbeitung dieser Spur durch ein an die kanadischen Behörden zu stellendes Rechtshilfeersuchen den Victor Ostrovsky zeugenschaftlich zu vernehmen, da andere von ihm geschilderte Gegebenheiten nicht als von vornherein unwahrscheinlich abgetan werden könnten«.

»Nicht von vornherein unwahrscheinlich« war eine starke Untertreibung. Das wurde für die Beamten zur Gewißheit, als kurz darauf ein außerordentliches Detail in Ostrovskys Darstellung des Tathergangs eine wissenschaftliche Bestätigung erfuhr. Ostrovsky schildert, wie dem zuvor bewußtlos gemachten Opfer nach der Intubierung von Giften durch eine Magensonde auch noch »rektal Zäpfchen mit einem starken Sedativ« verabfolgt worden sind.

Ein starkes Sedativ, das sich nicht im Magen des Opfers, wohl aber im Blut und im Urin befunden hat, ist bei mehreren Untersuchungen zweifelsfrei dingfest gemacht worden: Methyprylon – besser bekannt als das in Ganovenkreisen geschätzte Noludar. Den Stoff gibt es nicht nur in Form von Tropfen, sondern auch als Zäpfchen. In einer gutachterlichen Stellungnahme vom 27. Juli 1996 macht der Schweizer Toxikologe Hans Brandenberger den Lübecker Staatsanwalt Sönke Sela darauf aufmerksam, daß »auch die Möglichkeit einer rektalen Verabreichung kurz vor dem Tode in Betracht gezogen werden« sollte.

Zitatende

Zur Einordnung des Zitats muss man wissen, das Baentsch sich hier kritisch auf die Lübecker Staatsanwaltschaft bezieht und erklären möchte, warum diese der Spur von Ostrovsky und den Hinweisen hierzu von Brandenberger (Brief mit Hypothese “ rektalen Verabreichung“ von 1996) NICHT folgt. Nimmt man diesen Bezug aus dem Text heraus, dann ist das meiner Meinung nach die gleiche Argumentation wie die eingangs zitierten Welt am Sonntag-Einschätzung: Zwei unabhängige Quellen liefern eine Übereinstimmung, die in der Zusammenschau eine neue Sichtweise auf den Todesfall Barschel liefern. Es muss Mord sein und die Hauptverdächtigen sind beim israelischen Geheimdienst zu suchen.

Dazu noch ein Zitat von Baentsch aus dem Jahre 2006

Interview mit Baentsch: http://www.netzeitung.de/kultur/443865.html (Netzeitung vom 02.10.2006]

Netzeitung: Ostrovsky, dessen Buch «Geheimakte – Mossad» 1994 erschienen ist, hatte ja auch die Erklärung für den Tod Uwe Barschels parat.

Baentsch: Er spricht von einem Mord und beschreibt ihn in den allermeisten Punkten so, wie es die medizinischen, toxikologischen und kriminalistischen Recherchen hinterher auch bestätigt haben. Ein Killerkommando des Mossad, so sagt Ostrovsky, habe Uwe Barschel in Genf ermordet.

Netzeitung: Dem stimmen Sie zu?

Baentsch: Ich finde das plausibel. Barschel ist von mehreren Personen ermordet worden, das war nicht einer alleine. Dieser Mord lässt sich auf verschiedene Arten beweisen. Die Beweise aber, und das ist das erschreckende, sind zwar erbracht worden und sie liegen auch vor, durften aber nie veröffentlicht werden. So hat zum Beispiel der Zürcher Toxikologe Professor Brandenberger in einem Gutachten akribisch nachgewiesen, dass das tödliche Gift Barschel erst verabfolgt worden ist, als er schon bewusstlos war. Er hat es also gar nicht selbst aufnehmen können.

Zitatende

Dazu sei angemerkt, dass der Brief von Brandenberger meines Wissens zwar noch nicht veröffentlicht wurde, dass man aber die Einschätzung der Lübecker Staatsanwälte (Verzicht auf die Befragung von Ostrovsky) inzwischen nachlesen kann [10] (dazu unten mehr).

Doch zunächst ist noch auf eine weitere Veröffentlichung einzugehen, die bereits im Jahre 2007 sich mit Brandenberger und Ostrovsky beschäftigt hat.

Autorenteam Mueller, Lambrecht und Müller 2007

Bereits 2007 äußern sich die Autoren des Buches „Der Fall Barschel“ [8] über das Buch von Ostrovsky [3] und über das Buch von Baentsch [7] sehr kritisch. Ihre eigene Theorie zum Todesfall Barschel läuft auch darauf hinaus, dass Barschel ermordet wurde; sie haben aber andere Hauptverdächtige als Baentsch bzw. Brandenberger und Welt am Sonntag.

Interessant ist der Bezug auf Ostrovsky [3], weil einer der Autoren bereits früher Möglichkeiten hatte, die Glaubwürdigkeit des ehemaligen Agenten zu hinterfragen.

ZITAT aus [8] (Seite 13f. einschließlich einer Fußnote)

Der in Kanada lebende Autor Victor Ostrovsky vermarktete in seinem 1994 erschienenen Buch »Geheimakte Mossad« seine Erlebnisse beim israelischen Geheimdienst. Bei der Vorbereitung der Veröffentlichung erschien ein Kapitel über Barschel als förderlich für den deutschsprachigen Absatzmarkt. Ostrovskys Problem war allerdings: Er wusste viel zu wenig. Er war Anfang der achtziger Jahre beim Mossad ausgebildet worden, doch seine Lehrjahre endeten bald und abrupt. So musste er sich aufs Spekulieren verlegen. In englischsprachigen Pressearchiven fand er Beiträge über eine angeblich von Iranern inszenierte Waffenhandels- Affäre, die am schleswig-holsteinischen Kleinflugplatz Hartenholm spielte. Der Informant für diese Geschichte hatte seine »Erkenntnisse« zuvor auch schon mehreren deutschen Nachrichtenmagazinen angeboten; Focus hatte angebissen. Doch die Sache verhielt sich völlig anders, als vom Informanten erzählt: Nicht iranische Geschäftspartner, wie er behauptete, waren in eine illegale Ausfuhr von Rüstungsgerät nach Teheran verwickelt. Er selbst war es und wollte mit seinen Erzählungen von sich ablenken. Mit Barschel hatte der Fall gar nichts zu tun. Als Ostrovsky auf die Ungereimtheiten seiner Darstellung aufmerksam gemacht wurde, schrieb er sein Barschel-Kapitel flugs noch einmal um. (Hier wird auf folgende Fußnote verwiesen.)

Rudolf Lambrecht und Leo Müller: »Drehkreuz der Waffenschieber?«, Stern 8.12.1994;

Zitatende

Sebastian Knauer 2009

Knauer hatte 1987 als ersten die Leiche von Uwe Barschel entdeckt. Sein Buch [9] liefert eine Zusammenstellung wichtiger Unterlagen zum Fall Barschel. Hier kann man an Hand von kopierten Originalakten prüfen, ob und welche der oben oder von anderen Autoren gemachten Schlussfolgerungen nützlich sind. Interessant finde ich z.B. die Aussagen der Lübecker Staatsanwaltschaft von 1994 zu den Gründen, warum der Bericht von Ostrovsky nicht genauer recherchiert und geprüft wird.

Festzustellen ist, daß die von Ostrovsky geschilderte Art der Tötung nicht mit den gerichtsmedizinischen bzw. toxikologischen Befunden in Einklang steht. Insbesondere seine Ausführungen bzgl. des plötzlichen Temperaturwechsels (Eisbad] und der Wirkung der Medikamente und der daraus resultierenden Herzattacke sind mit den Feststellungen der gerichtsmedizinischen Untersuchungen nicht zu vereinbaren. Danach ist vielmehr auszuschließen, daß Dr. Uwe Barschel an einer Herzattacke gestorben ist. Zudem ist nach den insoweit übereinstimmenden beiden rechtsmedizinischen Gutachten aus Genf und Hamburg auch davon auszugehen, daß Dr. Uwe Barschel sich mehrere Stunden lang in einem komatösen Zustand im Wasser der Badewanne befunden hat.

Zitatende

Laut Medienberichten prüft die Staatsanwaltschaft gegenwärtig, ob sie nach der neusten Berichterstattung nicht diesmal anders entscheiden sollte und Ostrovsky in Kanada vernehmen soll. Falls sie erneut das Verfahren einstellt, dann kann sie nicht nur auf ihre früheren Argumente zurückgreifen, sondern auch folgende Unstimmigkeiten mit reflektieren:

ZITAT aus [2]

Ostrovsky schreibt, dass durch den Magenschlauch Pillen eingespült worden seien. Doch das Genfer Gutachten erwähnt keine Pillenrückstände im Magen, sagt aber auch nicht, dass keine vorhanden waren.

Zitatende

Hans Leyendecker 21.11.2010

Anders als die meisten Journalisten hat sich Hans Leyendecker kritisch mit der „neuen Spur“ [1] [2]befasst.

ZITAT [11]

Brandenberger argumentierte schon damals, das Zeitintervall zwischen der Einnahme des Schlafmittels und dem Tod Barschels sei wesentlich kürzer gewesen als die Zeitintervalle zwischen der Einnahme der anderen Medikamente und dem Tod. Demnach sei es unwahrscheinlich, dass Barschel noch handlungsfähig war, als er das Schlafmittel aufnahm. Es sei ihm also verabreicht worden. Auch Sterbehilfe hat Brandenberger bislang nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Nun meint er, die „chemischen Befunde indizieren einen Mord“.

Wahr ist, dass die meisten mit dem Fall betrauten Wissenschaftler keine zuverlässigen Angaben über den Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme machen wollten. Und all die Spuren, denen nachgegangen wurde – von der Stasi über Mossad und CIA bis zur Mafia – halfen bei der Suche nach einem angeblichen Täter oder einem Motiv nicht weiter.

Zitatende

Markus Kompa 23.11.2010

Rechtanwalt Markus Kompa [11] folgt weitgehend der Sicht des Autorenteams [8]. Diese steht im Gegensatz zur Theorie, dass der israelische Geheimdienst verantwortlich für die Tötung von Uwe Barschel ist. Im Anschluss an die bereits 2007 vom Autorenteam geäußerte Kritik schreibt Kompa nun deren Aussagen weiter und ergänzt um eigene Einschätzungen:

Bevor Ostrovsky „Ephraims“ Barschel-Story in seinem Buch veröffentlichte, hatte er sie deutschen Medien angeboten, etwa dem „Focus“ (20). Der „stern“ jedoch konfrontierte Ostrovsky mit einigen Details, die im Widerspruch zu seiner Version standen. Der Ex-Spion bewies Chuzpé und verwendete die ihm neuen Information in seinem schließlich erscheinenden Buch als scheinbar eigene. Dieser opportunistische Umgang mit „Insiderinformationen“ stellt die Glaubwürdigkeit des geschassten Schlapphuts stark infrage. Da Prof. Brandenberger seine Mordthese im Wesentlichen bereits einen Monat nach dem Todesfall geäußert hatte, wäre es geradezu verwunderlich, wenn sich der gewiefte Ostrovsky sieben Jahre später auch insoweit nicht bei Brandenberger bedient hätte. Wenn nun wiederum Brandenberger auf Ostrovsky hinweist, so ergibt sich ein selbstreferentielles Informationskartell.

Zitatende

Ein „selbstreferentielles Informationskartell“ ist die polemische Zuspitzung von „Zirkelschluss“.

Fazit

Ob Barschel ermordet wurde, Hilfestellung bei einer Selbsttötung bekam oder direkt Opfer einer Selbsttötung wurde, war nicht Gegenstand der obigen Erörterungen. Gefragt wurde nur, ob die Quellen Brandenburger-Gutachten und Ostrovsky-Bericht unabhängig voneinander sind, ober ob sie mittels Zirkelschluss verbunden wurden, und deshalb sich wechselseitig zu einer Schein-Erklärung verwenden.

Diese Frage ist natürlich auch offen. Klar ist aber, dass Ostrovsky die grundlegende Hypothese (3+1-Theorie) wissen konnte, als er seinen Bericht schrieb. Klar ist auch, dass der Bericht eine Fülle von Fakten aufzählt, die so nicht stimmen können. Klar ist weiterhin, dass auch Brandenberger das Buch von Ostrovsky kennen konnte, als er bereits 1996 seine Theorie zuspitzte und von der Möglichkeit einer rektalen Verabreichung schrieb.

Die Welt am Sonntag hat also eine „neue Spur“ aus Theorien, Hypothesen und Berichten vorgelegt, die bereits 1996 in Gänze vorlagen und die auch Wolfgang Baentsch bereits 2006 in die Öffentlich brachte, ohne allerdings die Zuspitzung so stark zu formulieren, wie es jetzt die Welt am Sonntag getan hat. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass die „neue Spur“ nur auf interessanten wechselseitigen Zirkelschlüssen beruht.

Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Lübecker Staatsanwaltschaft und die Öffentlichkeit insgesamt auf die „neue Spur“ in Zukunft beziehen werden.

QUELLEN

[1]: Welt am Sonntag: Ausgabe vom 21.1.2010

[2]: Gutachten Hans Brandenberger – Welt am Sonntag 21.1.2010 Seite 21 – 22

[3]: Buch von Victor Ostrovsky: Geheimakte Mossad. Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes, Bertelsmann, 1994 (The Other Side of Deception, New York, 1994]. ISBN 3-570-12174-7 (Goldmann Sachbuch als TB: ISBN 3-442-12658-4]

[4]: Spiegel Artikel „Sie hätten besser schweigen sollen“ in der Ausgabe 1 von 1988. Faksimile des Artikels: http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=13525642&aref=image036/2006/05/15/cq-sp198800100660070.pdf&thumb=false. Text des Artikels: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13525642.html

[5]: Brandenberger Gutachten von 1994 für die Genfer Ermittlungsbehörden. Kopie auf der Website des Herbig-Verlags: http://www.herbig.net/uploads/tx_ttipcshop/media/gutachten_94_brandenberger.pdf

[6]: Brandenberger Gutachten als Ergänzung für die Lübecker Staatsanwaltschaft. Kopie auf der Website des Herbig-Verlags: http://www.herbig.net/uploads/tx_ttipcshop/media/gutachten_97_brandenberger.pdf

[7]:  Buch von Wolfram Baentsch: Der Doppelmord an Uwe Barschel: Neue Fakten und Hintergründe zur größten Politaffäre der Bundesrepublik, erste Auflage 2006, Neuauflage 2008: http://www.amazon.de/Doppelmord-Uwe-Barschel-Hintergr%C3%BCnde-Bundesrepublik/dp/3776625678/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1290859659&sr=8-2

[8]: Buch von Michael Mueller, Rudolf Lambrecht und Leo Müller: Der Fall Barschel: Ein tödliches Doppelspiel, Propyläen (September 2007]: http://www.amazon.de/Fall-Barschel-Ein-t%C3%B6dliches-Doppelspiel/dp/3549073259/ref=pd_sim_b_4

[9]: Buch von Sebastian Knauer:  Barschel – Die Akte: Originaldokumente eines ungelösten Kriminalfalls, B & S Siebenhaar; Auflage: 1 (September 2009]: http://www.amazon.de/Barschel-Originaldokumente-eines-ungel%C3%B6sten-Kriminalfalls/dp/3936962561/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1290864531&sr=8-3-spell

[10]: Artikel von Hans Leyendecker: http://www.sueddeutsche.de/politik/uwe-barschel-und-der-mossad-drei-alte-maenner-auf-moerdersuche-1.1026539 (21.11.2010, 17:23]

[11] Artikel von Rechtsanwalt Markus Kompa bei Telepolis: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33713/1.html (23.11.2010)

Bis hierher wurde der Artikel am 1.12.2010 neu erstellt. Jetzt kommt die Version des Artikels vom 20.11.2010, die etwas zu knapp argumentiert hat. (Vgl. auch Kommentare unten)

Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, ob Uwe Barschel, anders als örtliche (Genfer) Polizei und Staatsanwaltschaft wohl annimmt, durch fremde Gewalteinwirkung (Mord) um Leben gekommen ist. Ob Uwe Barschel ermordet wurde, Selbstmord beging oder ob man von einen Selbstmord mit Beihilfe oder auf Tötung auf Verlangen ausgehen kann, ist bisher nicht endgültig geklärt und wird möglicherweise auch nie geklärt werden können. Darüber soll hier auch gar nicht spekuliert werden.

Interessant ist der Todesfall Uwe Barschel aber immer wieder, um Schlagzeilen und Aufmerksamkeit zu produzieren. Nun steigt heute die Welt am Sonntag mit Radiospot und großen Aufwand (neue Beilage zur Sonntagsausgabe) erneut in den Todesfall von Barschel ein und kündigt für morgen eine „neue Spur“ an.

Welt am Sonntag findet neue Spur

Uwe Barschel Tod: Welt am Sonntag (Ausriss Website) findet neue Spur

Ob man ein neues Gutachten (eines altbekannten Gutachters) als neue Spur bezeichnen sollte, wäre eine eher kleinmütige Kritik am Vorgehen der Welt am Sonntag. Interessanter ist der Zirkelschluss, der hier möglicherweise aufgebaut wird. Zitat

Einer der wichtigsten Gutachter im Fall Barschel verdächtigt in einem neuen Gutachten den israelischen Geheimdienst Mossad, den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ermordet zu haben. Die chemischen Analysedaten stimmen bis in Details mit dem Ablauf des Barscheltodes überein, wie ihn der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky in einem Buch schildert. Zu diesem bislang unveröffentlichten Ergebnis kommt der renommierte Schweizer Toxikologe Professor Hans Brandenberger in einem exklusiven Aufsatz für die „Welt am Sonntag”. Im Unterschied zu anderen Bekenner-Erklärungen oder Vermutungen „beschreibt Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysedaten erstaunlich gut übereinstimmt“, heißt es in dem Papier.

Zitatende (Quelle wie oben)

Mir kam der Gedanke, dass hier möglicherweise ein Zirkelschluss vorliegt. Könnte nicht Victor Ostrovsky ein früheres Gutachten von Hans Brandenberger benutzt haben, um seine Theorie von Barschels Ermordung zu entwickeln und bestätigt nicht der Gutachter sein eigenes früheres Gutachten auf diesem Umweg mit einem neuen Gutachten?

Gut das es die Wikipedia gibt.

Wikipedia Fußnoten zu Uwe Barschel

Wikipedia Fußnoten zu Uwe Barschel

Dort in der Wikipedia zu Uwe Barschel gibt es Links auf das erste Gutachten von Brandenberger und das Buch von Ostrovsky. Das Gutachten kann als PDF-Datei eingesehen werden: Der dort angegebene Termin der Gutachtens-Erstellung liegt am Monatsende Mai 1994. Wann das Buch von Ostrovsky genau geschrieben und publiziert wurde konnte ich nicht recherchieren. Das Erscheinungsjahr laut Verlag bzw. Wikipedia und amazon ist 1994. Es bleibt abzuwarten, ob hier die morgige Welt am Sonntag Ausgabe weitere Hinweise  liefert.

Ergänzung zum obigen Blog-Beitrag 22.11.2010:

Während die meisten Medien die Berichterstattung der Welt am Sonntag übernommen haben und viele sich auch auf dpa beziehen (Formulierungen wie „neue Spur“, „Mossad als neuer Verdächtigter“), haben zwei Medien kritisch zur Berichterstattung der Welt am Sonntag Stellung genommen:

Hans Leyendecker bereits gestern auf der Website der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/uwe-barschel-und-der-mossad-drei-alte-maenner-auf-moerdersuche-1.1026539

Wahr ist, dass die meisten mit dem Fall betrauten Wissenschaftler keine zuverlässigen Angaben über den Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme machen wollten. Und all die Spuren, denen nachgegangen wurde – von der Stasi über Mossad und CIA bis zur Mafia – halfen bei der Suche nach einem angeblichen Täter oder einem Motiv nicht weiter.

Aktenzeichen 705 Js 33247/87 bleibt ungelöst.

Hamburger Abendblatt von heute morgen:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article1702937/Neue-Mordspekulationen-um-Uwe-Barschel.html

Fakt ist, dass der Schweizer Toxikologe im Fall Barschel schon mehrfach für Schlagzeilen sorgte und im Kreis der Gutachter mit seinen Thesen eine Minderheitenmeinung vertritt. Das gilt insbesondere für seine Grundannahme, dass Barschel bereits im Koma lag, als er die tödlichen Medikamente erhielt. Eine Mehrheit der Wissenschaftler geht davon aus, dass der CDU-Politiker selbst einen Mix aus Medikamenten schluckte, sich so nach seinem falschen Ehrenwort in der Kieler Affäre und seinem Rücktritt als Ministerpräsident das Leben nahm.

Erläuterung zum Begriff Zirkelschluss

Zirkelschluss beim neuen  Brandenberger-Gutachten würde bedeuten, dass die Ostrovsky-Story als Bestätigungs-Quelle für eine Hypothese benutzt wird, die dieser Quelle selbst zugrunde gelegt hat. Zirkelschluss würde also bedeuten, dass Brandenberger sich selbst als Bestätigungsquelle verwendet.

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