ökologischer Fussabdruck

ökologischer Fussabdruck:Ökosandale auf Tropenholz

Neulich saß ich ganz stolz mit meinem Freund Michael auf meiner neuen Terrasse. Zufrieden wies ich darauf hin, dass ich wegen der besseren Haltbarkeit als Holzboden Tropenholz hatte verlegen lassen. Michael verzog das Gesicht: Bei sich habe er einheimischer Hölzer verlegen lassen, man sollte auch an seinen ökologischen Fußabdruck denken. Betroffen dachte ich an all die schönen Wälder, die wegen der vielen Terrassenbretter und der vielen Gartenmöbel abgeholzt werden müssen. Doch war mein schlechtes Gewissen wirklich angemessen?

Die Argumentation von Michael verwendet ein grundsätzliches Muster, das seit Mitte der 1970er-Jahre immer relevanter geworden ist. Bioläden, Nachhaltigkeits-Kongresse, Anti-Atomkraftbewegung, die Partei der Grünen und viele andere Phänomene beruhen auch auf der Idee, dass der Einzelne dafür verantwortlich ist, dass unsere Zukunft lebenswert bleibt und unsere Kinder und Enkel noch eine eigene Perspektive gestalten können. Das ist auch nicht verkehrt, doch folgt aus dieser Einsicht nicht unbedingt. dass es sinnvoll oder notwendig wäre, von jeder einzelnen Verhaltensweise „ökologische Korrektheit“ zu verlangen.

 

Leute, die heutzutage mit dem ökologischen Fußabdruck argumentieren, haben die Vielfalt der oben angerissenen Phänomene auf die Idee eingedampft, dass allein die einzelnen Verhaltensweisen dafür sorgen können, dass in Zukunft ein gutes Leben möglich bleibt: „Wenn jeder Einzelne bei jeder einzelnen Entscheidung an seinen ökologischen Fußabdruck denkt, dann werden Ressourcen geschont und die Umwelt erhalten.“ Mit diesem Argumentationsmuster werden die in die Ecke gestellt, die auch mal individuell anders entscheiden, beispielsweise wenn sie nach Gran Canaria in den Urlaub fliegen oder für den Belag der Gartenterrasse Tropenholz verwenden.

Öko-Kongress: Es geht auch anders.

Öko-Kongress: Es geht auch anders.

Wäre ich auf die Argumentation von Michael eingestiegen, dann hätte ich mir überlegen können, ob dessen ökologischer Fußabdruck wirklich so gut ist. Michael baut zwar eigenes Ökogemüse im eigenen Schrebergarten an, doch wenn er zum Urlaub nach Dänemark fährt, dann leiht er sich einen SUV, schließlich hat er eine große Familie und in Dänemark sind die Lebenshaltungskosten hoch, also nimmt man möglichst viele (Bio-)Lebensmittel von hier aus mit.

Doch wenn ich so argumentieren würde, dann hätte ich das Muster Individualverantwortung akzeptiert und geriete argumentativ unweigerlich in die Defensive. Außerdem ist Streit nach dem Ablaufschema vorprogrammiert: Dein Autos, deine Flugreisen, dein Einkaufsverhalten (entspricht nicht dem, was ich mir unter einem richtigen ökologischen Fußabdruck vorstelle). Defensiv wäre auch die Argumentation mit den Umweltzertifikaten, über die mein Tropenholz sicherlich verfügt. Auch zertifizierte Umweltsünden sind Fehlverhaltensweisen.

Ich könnte allerdings darauf verweisen, dass der Einzelne überfordert ist, die ökologische Bedeutsamkeit von jeder einzelnen Verhaltensweise angemessen einzuschätzen. Könnte es nicht sein, dass auch einheimische Hölzer im Übermaß abgebaut werden, wenn zu viele Gartenmöbel und Terrassenfließen gekauft werden? Können nicht auch Tropenhölzer so produziert werden, dass die abgeholzten Bäume durch neue Pflanzungen ersetzt werden? Muss für Tropenholz-Fließen überhaupt ein Baum gefällt werden oder werden diese aus den Resten von Holz produziert, die nach der Produktion von Schallschutzwänden an Autobahnen übrig bleiben?

Die Komplexität der Zusammenhänge ist auch für Experten schwer abschätzbar. Ist es wirklich so gut für den Exportweltmeister Deutschland, wenn nicht mal einfache Hölzer aus dem Ausland importiert werden sollen? Wenn überhaupt eine angemessen wirksame Intervention erfolgen soll, dann sollte sie politisch und nicht überwiegend individuell strukturiert sein. Wofür bezahlen wir eigentlich die Bürokraten in Brüssel; können diese nicht sinnvollen Regeln für den Import von Hölzern so festlegen, dass die Nachhaltigkeit der Produktion überprüfbar garantiert ist?

 

Ich erwarte als Verbraucher, dass ich gar nicht die Möglichkeit haben darf, ökologisch problematische Produkte im Supermarkregal oder im Baumarkt vorzufinden. Denn was nützt es mir, wenn ich auf den Kauf von problematischen Produkten verzichte, aber der nächste Käufer hinter mir frohgemut oder mit angemessen schlechtem Gewissen zugreift?

Gerne wird an dieser Stelle die Argumentation der Freunde des ökologischen Fußabdrucks gebracht, dass viele Einzelne dafür sorgen können, dass über Marktprozesse ökologische Produkte erfolgreicher werden. Doch was sind eigentlich ökologische Produkte bzw. wie erkennt man sie? Kann ich der Banane im Bioladen ansehen, dass sie nachhaltiger, besser, gesünder als eine Chiquita ist?

Amazon-Link: kein ökologischer Fußabdruck

Amazon-Link: kein ökologischer Fußabdruck

Im Einzelfall wäre hier eine Antwort über eine Recherche zu finden, doch kaufe ich jeden Tag viele unterschiedliche Lebensmittel, ich esse in unterschiedlichen Restaurants, ich nutze unterschiedlichen Verkehrsmitteln um Freunde oder Verwandte zu besuchen oder in den Urlaub zu fahren und ich nutze auch beim Möbeleinkauf und zur Wohnungssanierung unterschiedliche Anbieter.

Der ökologische Fußabdruck überfordert den einzelnen Verbraucher, denn dieser kann nicht bei jedem Schritt eine umfassende Recherche starten, wenn er außerdem noch Geld verdienen und sich vom Arbeitsstress erholen möchte. Nicht überfordert ist der Einzelne allerdings, wenn es um politische Konzepte geht. Es lohnt sich also über die richtigen Repräsentanten nachzudenken, wenn in Brüssel, Berlin oder Bonn Wahlen anstehen und über politische Konzepte zur Zukunftsbewältigung nachgedacht wird. Während die Freunde des ökologischen Fußabdrucks die vermeintlichen Ökopartei Die Grünen wählen, entscheiden sich die Anhänger eines nachhaltigen Veränderungskonzept für zukunftsangemessene Produktion und Konsumtion eher für linke Konzepte und tatsächlich gibt es nicht nur in Griechenland oder Spanien Parteien, die nicht nur Links heißen, sondern auch Links handeln.

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