Weisheit der Vielen

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„Die Weisheit der Vielen“ (Original: The Wisdom of Crowds) ist der ein sehr bemerkenswertes Buch von James Surowiecki, das bereits 2004 auf Englisch erschienen ist. Im Zusammenhang mit der Web 2.0 Entwicklung des Internets wurde aber die Bedeutung des Titels ernster genommen, denn das Mitmach-Internet ist eine gute Möglichkeit, um die Weisheit der Vielen zur Entfaltung zu bringen. So wird die Weisheit der Vielen sowohl im Marketing wie in den Graswurzel-Bewegung gern aufgegriffen. Anderseits kann nicht übersehen werden, dass es noch starke Einschränkungen bei der Weisheit der Vielen gibt.

James Surowiecki argumentiert in seinem Buch zur Weisheit der Vielen, dass die Kumulation von Informationen in Gruppen zu Entscheidungen der Gruppen führt, die oft besser sind, als die Entscheidungen, die von den einzelnen Teilnehmer der Gruppe gemacht werden könnten.[ad#ad-blog]

Im Buch zur Weisheit der Vielen werden viele Fallstudien, aber auch viele unterhaltsame Anekdoten präsentiert, um diese Argumentation zu illustrieren. Eine Vielzahl von Fachgebieten (insbesondere die Ökonomie und die Psychologie) werden tangiert.

Aber auch Surowiecki ist klar, dass nicht alle Gruppen weise sind. Als Schlüsselkriterien werden folgende Überlegungen angestellt, um die Weisheit der Vielen genauer zu erfassen:

  • Informationsunterschiede von Menschen: Denn diese besitzen unterschiedliche Informationen über zu entscheidende Sachverhalte, so dass es eine Vielzahl von Interpretationen geben kann.
  • Meinungsfreiheit in der Gruppenkommunikation: Die Meinung eines Einzelnen wird nicht festgelegt durch die Ansicht der Gruppe.
  • Dezentralisation der Gruppenentscheidung: Es wird vermieden, dass Informationsstränge an einen Punkt zusammenlaufen, der sich Entscheidungen anmaßt.
  • Unterschiedliche Aggregationsmöglichkeiten für Kommunikationsprozesse: Es sind in der Gruppendiskussion unterschiedliche Mechanismen gegeben, um aus den Einzelmeinungen die Gruppenmeinung zu bilden.

Surowiecki beschäftigte sich damit oft mit Fragen, wie ein Einzelner seine Unabhängigkeit im Kommunikationsprozess behält.

Damit setzt James Surowiecki auf ein Menschenbild, das auf den ersten Blick nicht unbedingt realitätsnah erscheint. Man könnte hier auf eine Vielzahl sozialpsychologischer Experimente verweisen, die deutlich machen, dass der Einzelne nicht unabhängig von der ihm umgebenden Gruppe denkt und handelt, sondern dass er sich an den antizipierten Meinungen der Gruppenführer bzw. des Gruppenkonsenses orientiert.

So kann man in soziologischen Untersuchungen zur Gruppenkommunikation zeigen, dass in vielen Fällen die Gruppendiskussion nicht zu einer Differenzierung des Meinungsbildes führt, sondern bestehende Meinungsbilder bestärkt werden (Gruppenpolarisierung).

Auf diese Überlegungen kann man auch kommen, wenn man sich mit den Analysen des Psychologen Irving Janis zum Gruppendenken/ Groupthink beschäftigt.

Keine Weisheit der Vielen durch Gruppendenken

Keine Weisheit der Vielen durch Gruppendenken

Innerhalb einer Gruppe gibt es hohen Gruppenzusammenhalt, der aber über Strukturen (Führer, Experten) bestimmt ist, die mit ihren Meinungen vorgeben, was die Gruppe zu denken hat. Hinzu kommen noch situative Einflüsse wie Stress aber auch Vorurteile und Ängste, die die Weisheit der Vielen blockieren kann. Nach Janis kommt es dann zu Groupthink-Symptomen, wenn neben vielen anderen gezielt die Gruppe auf Konformitätskurs gebracht wird. Fehler im Entscheidungsprozess verhindern damit die Weisheit der Vielen.

Damit ist jetzt nicht aufgezeigt, dass Surowiecki mit seinen Konzept von der Weisheit der Vielen grundsätzlich falsch liegt, er ist nur dahingehend zu ergänzen, dass die Bedingungen zur Erfüllung der “Weisheit der Vielen” erst herzustellen sind über die “Unabhängigkeit der Einzelnen”.

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